Revolution 1848

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Auf die revolutionären Ereignisse im Februar 1848 in Paris und im März in Berlin reagierte die mecklenburgische Bevölkerung spontan mit einer starken antifeudalen und teilweise radikal-demokratischen Bewegung, die in der Geschichte des Landes bisher einmalig war. In vielen Städten wurden aus allen Kreisen des Bürgertums Reformvereine gegründet, die weitgehend ohne Abstimmung untereinander liberale und demokratische Forderungen formulierten. In einigen größeren Städten entstanden auch radikaldemokratische Arbeitervereine, von denen teilweise Zeitungen, wie in Schwerin der „Mecklenburgische Bürgerfreund" herausgegeben wurden. In diesem Blatt, aber auch in Flugschriften entwickelte sich eine eigenständige Kultur der Revolution, die in Gedichten, Liedern oder Karikaturen oft anonymer Autoren ihren Ausdruck fand.

Auf dem Lande kam es unter den Landarbeitern und Tagelöhnern zu Massenaktionen, die sich besonders in der Gegend um Waren im Frühjahr 1848 zu bewaffneten Kämpfen auswuchsen. Hier standen die Forderungen auf die Schaffung freien bäuerlichen Eigentums, Reduzierung des Großgrundbesitzes und Abgabe von Land an die Landarbeiter im Vordergrund. Unter massivem Militäreinsatz wurden diese ländlichen Aufstände niedergeschlagen. Den mecklenburgischen Regierungen in Schwerin und Neustrelitz gelang es im Gegensatz zu anderen deutschen Staaten durch scheinkonstitutionelle Zugeständnisse und einige personelle Veränderungen im Sinne der bürgerlichen Forderungen ihren eigenen Sturz zu verhindern. Trotzdem gelang es den Reformern, auch unter dem Vorbild des benachbarten Preußen, das ständische System aufzuheben, ein demokratisches Wahlrecht, Presse- und Versammlungsfreiheit und eine bürgerliche Repräsentativverfassung zu etablieren. Damit waren die Voraussetzungen für einen bürgerlichen Parlamentarismus geschaffen. Durch langwierige Verhandlungen und kleinliche parlamentarische Debatten zwischen radikalen Demokraten und gemäßigten Liberalen kam die verfassungspolitische Entwicklung erst im Oktober 1849 zum Abschluss, als in anderen deutschen Ländern längst der Höhepunkt der Revolution überschritten war und im benachbarten Preußen bereits die Konterrevolution gesiegt hatte. Mit deren Hilfe hatte sich bereits auch in Mecklenburg die ständisch-ritterschaftliche Reaktion gesammelt. Zentrum dieser Bewegung war Großherzog Georg von Mecklenburg-Strelitz (1779-1860) als ein Vertreter der extremen Adelsreaktion, der auch durch seine familiären Beziehungen zum preußischen Königshaus weitgehende Unterstützung erhielt. Aus diesem Grunde wurde das Urteil über die bürgerliche Verfassung in Mecklenburg auch im September 1850 im ausländischen Brandenburg gesprochen und ging als Freienwalder Schiedsspruch in die Geschichte ein. Der Landesgrundgesetzliche Erbvergleich trat wieder in Kraft und blieb bis 1918 erhalten. Von den in der Revolution erstrittenen Rechten blieb lediglich das Recht, öffentlich auf der Straße Tabak rauchen zu dürfen. Die führenden Persönlichkeiten der Revolution, wie der Anwalt Moritz Wiggers (1816-1894), sein Bruder, der Theologieprofessor Julius Wiggers (1811-1901), der Juraprofessor Karl Türk (1800-1887), der Professor Christian Wilbrand (1801-1867), der Boizenburger Rektor Ludwig Reinhard (1805-1877), der Schweriner Hofbaumeister Georg Adolph Demmler oder der Literat Julius Polentz (1821-1869) gingen z. T. ihrer Lehrämter an der Rostocker Universität verlustig und wurden schließlich in einem Hochverratsprozeß zu mehrjährigen Festungsstrafen verurteilt.

Quelle: Die Geschichte Mecklenburgs; Wolf Krage, Hanrtmut Schmied, Ernst Münch